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Montag, 20. Mai 2019

Hochzeit in Pirmas

Wie der Volkesmund erst kürzlich berichtete war unser Landesherr zur Hochzeit von Vogt Cathair ap Kriegstein und Tamina-Edeltraut von Bruchmühlbach-Wolfstein ins ferne Pirmas geladen. In seiner bekannt großzügigen Art lies Graf Dijarion Patharis uns vom Volkesmund die Ehre zu Teil werden ihn auf dieser Reise begleiten zu dürfen. So sind wir nun in der außergewöhnlichen Lage, dass der Volkesmund, oder genauer gesagt unser Herausgeber Bastian Ährenfeld, einen Bericht über die Hochzeitsfeierlichkeiten aus erster Hand veröffentlichen kann. Nun wollen wir unsere geneigten Leser aber nicht länger warten lassen und übergeben statt dessen direkt an Herrn Ährenfeld.
Auch wenn die Reise nach Pirmas in der gräflichen Kutsche gemeinsam mit unserem Herrn Grafen sicherlich einen eigenen Bericht wert sein mag, will ich mich hier auf die Feierlichkeiten um die Vermählung des Vogts Cathair ap Kriegstein und die Edle Tamina-Edeltrau von Bruchmühlbach-Wolfstein beschränken. Nur so viel sei zur Reise gesagt: Selten fühlte ich mich auf einer Reise so gut unterhalten. Entweder erwies mir der Herr Graf selbst die Ehre mich an seinem scheinbar unerschöpflichen Vorrat an Anekdötchen teilhaben zu lassen, oder aber ich konnte den zwar etwas derberen, aber nicht minder unterhaltsamen Gesprächen zwischen dem Kutscher Fritz und dem bekannten Tagelöhner Jasper belauschen.
So verging die Fahrt nach Pirmas recht schnell und war mir bereits ein Vergnügen.

Nachdem wir die Grenzen Pirmas überquert hatten, erfuhren wir schließlich auch, dass die Hochzeit wohl nicht auf dem Sitz des Vogts stattfinden würde, sondern wir statt dessen zu einem kleinen Gasthaus zwischen Kleinsteinhausen und Bottenbach geladen waren. Weder diese Überraschung noch die dunklen Wolken die sich über uns zusammenzogen trübten allerdings die Laune unserer kleinen Reisegruppe. Am Vorabend der Hochzeit erreichten wir schließlich das Gasthaus. Die Unterbringung in Gemeinschaftsräumen war zwar einfach aber zumindest sauber. Auch hier überraschte mich die wieder einmal die Bodenständigkeit unseres Landesherrn. In keinster Weise beklagte er sich darüber sich das Zimmer nicht nur mit einem einfachen Berichterstatter wie mir und seinem Tagelöhner teilen zu müssen. Nicht einmal die Tatsache, dass außerdem noch zwei uns vollkommen unbekannte Reisende aus dem Königreich Blackwood mit uns in dem kleinen Zimmerchen Quartier bezogen, konnte den Herrn Grafen schockieren.
Nicht einmal das Fehlen einer anständigen Begrüßung durch den Gastgeber brachte unseren Landesherrn aus der Fassung. Tatsächlich erfuhr zumindest ich nur durch Zufall, daß einer der anwesenden Herrschaften nicht etwa auch als Gast bei uns verweilte, sondern in Wahrheit schon der Herr Vogt Cathair persönlich sei. Lediglich die Braut lies noch auf sich warten. Doch dazu an anderer Stelle mehr.

Den Vorabend der Hochzeit verbrachten wir und die anderen Gäste nach eigenem Gutdünken. Die Verpflegung in dem kleinen Gasthaus war einfach aber schmackhaft und ausreichend. Im Gespräch mit einigen anderen geladenen Gästen und zufällig anwesenden Reisenden konnten wir auch so einiges an Klatsch un Tratsch über die Gegend um das Gasthaus, das Pirmas und die verhassten Nachbarn aus dem Süden erfahren. Wie viel davon nun der Wahrheit entsprach, ob nun tatsächlich ein Werwolf im nahen Kleinsteinhausen sein Unwesen trieb, ob der berüchtigte Giftmörder "Der Falke" sich nun tatsächlich unter die Gäste gemischt hatte oder ob wir tatsächlich einem ehemaligen Schweinestall speisten, um nur einige Beispiele zu nennen, mag ich nicht zu beurteilen. Auch über das Brautpaar selbst hörte man so einige Gerüchte, auf die ich an dieser Stelle aber aus Rücksicht auf die hohen Herrschaften nicht näher eingehen möchte. Auch konnte ich keines dieser Gerüchte zweifelsfrei belegen.
Erwähnenswert mag noch sein, dass wir durch den guten alten Brauch des Schlummifix, beinahe noch einen kleinen Konflikt mit unserem Gastgeber ausgelöst hätten. So scheint dieser Brauch in Pirmas zum einen vollkommen unbekannt zu sein, und zum anderen dagegen das Tragen einer Kopfbedeckung zum Nachtgewand bei einem abendlichen Besuch der Schankstube absolut unerlässlich zu sein.

Der Tag der Hochzeit selbst begann für etliche der anwesenden Gäste weniger erfreulich. Allem Anschein nach erlaubte sich einer der Gäste einen äußerst unpassenden Scherz, in dem er dem Brautpaar einen lebendigen Troll als Beute für eine traditionelle Jagdgesellschaft zum Geschenk machen wollte. Wenig überraschend brach diese wilde Kreatur in den frühen Morgenstunden dann aber aus ihrem Käfig aus und verschwand in den umliegenden Wäldern. Während einige tapere recken dann tatsächlich Jagd auf das Ungetüm machten, fand man auch frische Trolleier in der näheren Umgebung des Gasthauses. Glücklicherweise waren überraschend viele der Gäste unter Waffen angereist und konnten die Bestie und ihre Gelege so bald erlegen. So weit mir bekannt ist, kam es dabei auch zu keinen bleibenden Schäden auf Seiten der Jäger. Manch einer der Gäste, und wohl auch der Vogt selbst, vermuteten später einen hinterhältigen Übergriff des Nachbarlandes, um die Feierlichkeiten zu stören.
Tatsächlich tauchten später dann auch noch Uniformierte aus eben diesem Landstrich auf, die behaupteten, sie hätten die Braut auf ihrem Weg zum Gasthaus abgefangen und nun in ihrer Gewalt.
Später hörte ich, dass es sich wohl nicht um die Braut selbst, sondern um eine der Damen in deren Begleitung handelte. Wer auch immer sich nun in der Gewalt des kleinen Trupps befand konnte aber dann schlußendlich befreit werden, so daß man dann gegen Abend auch tatsächlich zur eigentlichen Hochzeit schreiten konnte.

Die Trauungszeremonie fand zunächst im Schankraum des Gasthauses statt und wurde mit der Verlesung des Ehevertrags eröffnet. Merkwürdigerweise durften bei dieser Verlesung nur Männer anwesend sein. Mit einem äußerst merkwürdigen Hintertürchen war es aber auch den angereisten Damen möglich der Vertragsverlesung beizuwohnen. So erklärte man mir, daß es im Lande Pirmas Frauen generell nicht gestattet sei Waffen zu tragen. Täten sie das dennoch würden sie von rechts wegen als Männer angesehen. Damit wiederum durften sie denn auch der Verlesung des Ehevertrags beiwohnen, so fern sie nur eine Waffe bei sich trugen... Man mag mir verzeihen, wenn ich mich an dieser Stelle ganz unverfroren eines beliebten Ausspruchs unseres Herrn Grafen bedienen werde: Andere Länder, andere Sitten.
Auf die Details des Vertrags werde ich an dieser Stelle nicht eingehen. Umgeben von so vielen Waffen tragenden Männern und ... nunja... anderen Männern... viel es mir schwer mich auf diese Details zu konzentrieren.
Es folgte dann noch eine weitere Zeremonie durch eine Priesterin der örtlichen Glaubensgemeinschaft und einen anwesenden Druiden.

Den restlichen Abend und einen Großteil der folgenden Nacht verbrachte man dann bei Tanz, Gesang und Gaukelei und leerte dabei noch so manchen Becher auf das frisch vermählte Paar.

Während ich selbst diese Zeilen verfasse, erhebe auch ich nun noch einmal meinen Kelch und wünsche dem Brautpaar alles Glück der Welt und Travias Segen für ihren gemeinsam Bund.
Und nun werte Leser, werde ich dies auf schnellstem Wege nach Fichtenbrunn schicken lassen, und mich selbst den Feierlichkeiten anschließen.

Bastian Ährenfeld 

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